Nach 50 Jahren: Am Niederrhein sind
die Schilfschneider wieder aktiv...
Nach mehr als fünf Jahrzehnten sind die Reetschneider am Niederrhein nun wieder aktiv. Im Rahmen eines langfristig angelegten Arbeitsmarktprojektes, unterstützt von vier Kommunen und lokale Sponsoren (Ksiters-Stiftung, Sparkasse Emmerich-Rees), und in Regie des Theodor-Brauer-Hauses Berufsbildungszentrum Kleve e.V. wird im Einklang mit dem Natur- und Landschaftsschutz nun wieder Schilf am Niederrhein geschnitten. Bis Mitte des 20.Jahrhunderts hat es im Nordkreis Kleve eine bedeutende Schilfbewirtschaftung mit nachgelagerter Produktion von Artikeln aus Schilfrohr gegeben, die vielen Menschen Arbeit geboten hat. Alleine in den im Raum Kleve angesiedelten Unternehmen waren rund 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Herstellung von Artikel aus Schilfrohr ist traditionell sehr personalintensiv, sodass mit steigendem Lohnniveau in Deutschland und den Niederlanden die Arbeitsplätze in der einheimischen Schilfproduktion weitgehend verloren gingen.

Mit Einführung moderner, künstlich hergestellter Produktionsstoffe verloren Schilfrohrprodukte immer mehr an Bedeutung. In den späten 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es allerdings zu einer Trendwende: Naturprodukte waren beim Hochbau und im Freizeit- und Gartenbereich wieder stärker gefragt, Schilfrohr erlebt seit dieser Zeit eine Renaissance.
Herstellung von Naturprodukten im Einklang
mit dem Natur- und Landschaftsschutz
Das Projekt der Schilfrohrbewirtschaftung am Niederrhein wirkt sich in vielfältiger Weise positiv auf den Bereich des Umwelt- und Naturschutzes in der Region aus, denn durch den regelmäßigen Schilfschnitt wird einerseits der Charakter der Landschaft erhalten, andererseits werden umweltschädliche, aufwendige Transporte von Schilf über lange Distanzen vermieden, da das geerntete Material in der Region zum Einsatz kommt.

Die Erhaltung und Verbreitung dieses Pflanzenbewuchses ist insbesondere bei einem regelmäßigen Schnitt gewährleistet. Schilf wirkt durch die große Blattoberfläche und durch die Sauerstoffabgabe der Stengelteile unter Wasser gewässerreinigend.

Andererseits ist der regelmäßige Schnitt des Schilfrohrs von großer Bedeutung für den Landschaftsschutz: Vermehrt sich das Schilf ungehemmt, kommt es zwangsläufig zur Verlandung von Feuchtgebieten, da sich zwischen den dichten Halmen mit der Zeit viel Schlamm ansammelt und so zur Verlandung eines Gewässers führt.

Bei der wirtschaftlichen Nutzung von Schilfgebieten tragen wir den Auflagen des Naturschutzes in vielfältiger Weise Rechnung: So bleiben z.B. die Brutstätten von Wasservögeln stets unangetastet. Eine ständige Abstimmung mit den Organisationen des Naturschutzes ist obligatorisch.